Städtische Bodenrenaturierung mit dem ersten Horizon Europe Living Lab in Luxemburg
Das URSOILL-Projekt wird die ehrgeizigste Bodenforschungsinitiative Luxemburgs etablieren, mit 10 Teststandorten in der Minett-Region und einem transnationalen Netzwerk in fünf Ländern.
Jean-Michel Gaudron
Unter den Städten Luxemburgs liegt eine weitgehend unsichtbare Krise. Die Bodenversiegelung, die schrittweise Bedeckung von Land mit undurchlässigen Oberflächen wie Straßen, Parkplätzen und Gebäuden, wird geschätzt, dass das Land bis zu 220 Millionen Euro pro Jahr an verlorenen Ökosystemdienstleistungen kostet. Hinzu kommt Bodenverschmutzung und ein breites Mangel an öffentlichem Bewusstsein für die Bodengesundheit: Das Ausmaß der Herausforderung wird deutlich.
Eine nationale Herausforderung mit einer europäischen Antwort
Das URSOILL-Projekt (Innovative Solutions for Sustainable urban Soil restoration through urban Living Labs) ist die direkte Antwort des Landes. Koordiniert von RISE – Research Institutes of Sweden, wird es im Rahmen der Horizon Europe EU-Mission "A Soil Deal for Europe" finanziert: ein Programm, das Bürger, lokale Behörden und Forscher im Übergang zu gesunden Böden bis 2030 mobilisieren soll.
URSOILL wird Luxemburgs erstes nationales städtisches Boden-Lebenslabor gründen, das im Rahmen der Soil Mission * finanziert wird, und es mit einem paneuropäischen Netzwerk von fünf lebenden Laboren verbinden, die in Schweden, Spanien, Italien und Griechenland tätig sind.
Das Projekt wurde im vergangenen Februar offiziell gestartet und läuft bis zum 28. Februar 2030, mit einem Gesamtbudget von 11.999.806,25 Euro, von denen fast 2 Millionen Euro den luxemburgischen Partnern zugeteilt werden.
Das Living Lab in Luxemburg wird vom Luxemburger Institut für Wissenschaft und Technologie (LIST) koordiniert, das die Koordination auf nationaler Ebene sowie mit den anderen Living Labs des Projekts, einschließlich des wissenschaftlichen Rahmens, der Bodenüberwachungsanalysen, leitet.
Die anderen sechs luxemburgischen Partner leisten jeweils einen eigenen und wesentlichen Beitrag:
- Citizens for Ecological Learning and Living (CELL) leitet Bodenkompetenz, Öffentlichkeitsarbeit und Gemeindearbeit, einschließlich der Arbeit mit drei Gemeinschaftsgärten.
- GEOCONSEILS und Interalia bringen Fachwissen in den Bereichen Bodenverschmutzung, Bioengineering und Implementierung auf Standortebene bei.
- GEWATEC bietet Bohr- und technische Bodeninterventionsmöglichkeiten.
- Agora stellt zwei seiner ehemaligen Industriestandorte (Metzeschmelz in Schifflange und Belval Sud in Esch-sur-Alzette) für Tests zur Verfügung und ist an der Lösungsauswahl beteiligt.
- Als assoziierter Partner bewertet die Administration de l'Environnement die rechtliche Anwendbarkeit vor Ort getesteter Lösungen und unterstützt bei Bedarf regulatorische Anpassungen sowie technische Aspekte im Zusammenhang mit der Bodengesundheit.
Das Luxemburger Konsortium ist Teil eines breiteren Netzwerks von 34 Partnern, das von den RISE Research Institutes in Schweden koordiniert wird.
Was ist ein Horizon Europe Living Lab und warum ist das wichtig?
Ein Living Lab ist kein traditionelles Labor. Es handelt sich um eine reale Innovationsumgebung, in der Forscher, Bürger, Unternehmen und öffentliche Behörden an tatsächlichen Standorten (Parks, Industrieödland, Gemeinschaftsgärten, Parkplätze) zusammenarbeiten, um Lösungen zu entwickeln, zu testen und zu verfeinern, die konkrete gesellschaftliche Herausforderungen adressieren.
Das Arbeitsprogramm Horizon Europe, das URSOILL finanziert, stellt lebende Labore in den Mittelpunkt seiner Methodik, gerade weil Bodenrenaturierung nicht isoliert stattfinden kann. Es erfordert die Beteiligung derjenigen, denen das Land gehört, die es regulieren, die in der Nähe wohnen und die es erforschen. Dieses multi-akteurige, interdisziplinäre Modell ist sowohl der wissenschaftliche Ansatz als auch der demokratische Prozess.
10 Standorte, 3 Herausforderungen, 1 gemeinsames Ziel
In Luxemburg konzentriert sich das Living Lab auf drei Kernaufgaben: Bodendichtung, Bodenverschmutzung und Bodenkompetenz. Zehn Standorte in der Minett-Region (von Differdange, Bettembourg, Sanem, Esch-sur-Alzette, Schifflange und Bascharage) dienen als Testgelände.
Zu erprobte Techniken gehören naturbasierte Lösungen (NbS), Phytoremediation (Einsatz von Pflanzen zur Entfernung oder Stabilisierung von Schadstoffen), der Einsatz von Biochar und organischen Bodenverbesserern sowie durchlässige Oberflächenmaterialien, die die Wasserinfiltration verbessern sollen. Alle Maßnahmen werden durch vorläufige Bodenanalysen geleitet und auf technische Machbarkeit, Kostenwirksamkeit und Reproduzierbarkeit bewertet.
"Wir wollen sicherstellen, dass die Technologie, die wir implementieren möchten, für alle umsetzbar ist: für Landbesitzer, für Bodenexperten, die sie an anderen Standorten einsetzen müssen, für öffentliche Behörden, die diese neuen Technologien genehmigen müssen, und für die Gesellschaft insgesamt", erklärt Anna Espinoza, Senior Researcher bei LIST und URSOILL-Ansprechpartnerin für das Urban Living Lab Luxemburg
Die Rolle von Luxinnovation: vom ersten Aufruf bis zur Unterstützung nach der Auszeichnung
Das EU-Förderteam von Luxinnovation begleitete LIST und seine Partner während des gesamten Lebenszyklus des URSOILL-Vorschlags, von den frühesten Phasen der Ideenfindung bis zur Umsetzung nach der Vergabe.
Das Engagement begann mit einer Informationsveranstaltung zu den Living Lab-Aufrufen, die gemeinsam von Luxinnovation und dem European Network of Living Labs (ENOLL) organisiert wurde, in der das spezifische Thema vorgestellt wurde, unter dem URSOILL letztlich finanziert wurde. Diese Veranstaltung brachte die Aufmerksamkeit von LIST und half dem Team, die strategische Ausrichtung des Anrufs zu verstehen.
Anschließend nahm Luxinnovation an Vorbereitungstreffen mit LIST und dem schwedischen Konsortiumskoordinator teil, um das Konzept zu entwickeln, und gab konkrete Empfehlungen zu den rechtlichen Teilnahmeformen und dem zu beantragenden Budget.
Nachdem das Projekt vergeben war, setzte sich die Unterstützung fort: Luxinnovation organisierte eine eigene zweistündige Schulung zur Finanzberichterstattung für alle luxemburgischen Partner und bietet einigen Partnern weiterhin rechtliche und finanzielle Beratung nach der Vergabe an.
"Diese durchgehende Begleitung spiegelt die Mission von Luxinnovation als nationaler Kontaktpunkt für Horizon Europe in Luxemburg wider", betont Nancy Ramia, PhD, Beraterin für europäische Finanzierung bei Luxinnovation. "Wir sind nicht nur hier, um Organisationen bei der Identifizierung der richtigen Entscheidungen zu unterstützen, sondern sie auch in jeder Phase der Projektentwicklung und -umsetzung zu unterstützen."
Was als Nächstes kommt: offene Aufrufe und europäische Ambitionen
URSOILL befindet sich noch in den Kinderschuhen, da es am 10. Februar 2026 offiziell mit einem Co-Creation-Workshop in Belvaux gegründet wurde, bei dem etwa 50 Fachleute, Vertreter der Kommunalverwaltungen und Mitglieder von Gemeinschaftsgärten aus ganz Luxemburg zusammenkommen. Eine große Veranstaltung mit Teilnehmern aus allen fünf Konsortiumsländern ist für Oktober 2026 in Luxemburg geplant.
Im September 2027 wird das Projekt einen einheitlichen Open-Call-Prozess starten, um die Projekt-LLs zu erweitern, indem neue Akteure wie Technologieanbieter und/oder Standortbetreiber einbezogen werden, um neue Lösungen an neuen Standorten innerhalb des LL zu testen. Diese Aufrufe stehen lokalen Akteuren (Forschungsorganisationen, Unternehmen, Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Gruppen) offen, mit dem Ziel, die Beteiligung zu erweitern und das Innovationsökosystem rund um die städtische Bodengesundheit in Luxemburg zu vertiefen.
Für Luxemburg markiert dieses Projekt einen bedeutenden Schritt: von einem kleinen Land, das mit den Folgen der raschen Urbanisierung kämpft, zum aktiven Mitwirkenden einer der fortschrittlichsten Umweltforschungsinitiativen Europas.
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