Einführung von KI in Luxemburg
Eine aktuelle Studie von Luxinnovation und FEDIL zeigt, dass KI zunehmend von luxemburgischen Unternehmen eingesetzt wird, dass jedoch Herausforderungen in Bezug auf Datenreife, Fähigkeiten und Governance bestehen bleiben.
Zwischen strategischem Weitblick und praktischen Herausforderungen
Anfang 2025 haben sich Luxinnovation und FEDIL mit dem L-DIH (Luxembourg Digital Innovation Hub) zusammengetan, um 114 Unternehmen aus Sektoren wie Fertigung, IKT, Bauwesen, Transport und Logistik usw. über ihre Einführung und Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) zu befragen.
Ziel dieser Studie war es, kritische Einblicke in die aktuelle Landschaft der KI- und generativen KI-Nutzung durch wichtige Interessengruppen, den bestehenden Akzeptanzgrad, die bestehenden Hindernisse und Chancen sowie die wesentlichen Schulungs-, Weiterbildungs- und Finanzierungsanforderungen zu liefern, die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Förderung von Innovationen erforderlich sind. Die Umfrage zielt darauf ab, ein grundlegendes Verständnis dafür aufzubauen, wie KI unsere Branche prägt, strategische Interessenvertretung zu informieren, politische Empfehlungen zu leiten und die Entwicklung maßgeschneiderter Ressourcen für eine beschleunigte KI-Einführung in Luxemburg zu unterstützen.
Die Ergebnisse zeigen eine starke Dynamik bei der Einführung von KI und generativer KI, gepaart mit einer realistischen Sicht auf die laufenden Herausforderungen. Dies spiegelt die breitere Sichtweise auf KI wider, wie sie von der globalen Beratungsfirma Bain & Company geteilt wird.
Die Ergebnisse liefern einen nützlichen Input für die nächste Phase Luxemburgs zur Förderung der digitalen Innovation und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit.
Überblick über die Einführung von KI in Luxemburg
KI wird vor allem in den Bereichen IT, Vertrieb & Marketing und Kundensupport eingesetzt, oft in Form von Chatbots, Marketing Automation oder internen Tools. Im Gegensatz dazu ist die Akzeptanz in den Bereichen Fertigung, Lieferkette und Recht nach wie vor vergleichsweise begrenzt, was auf eine klare Chance hindeutet, den Einsatz von KI in industriellen Kerngeschäften auszuweiten.
Abbildung 1 (in %): Unternehmensfunktionen, die KI einsetzen
Datenquelle: Umfrage "Perspectives on AI and Generative AI in industry" von Luxinnovation und FEDIL, 2025.
Prozessoptimierung ist ein wichtiger Treiber für KI...
Beeindruckende 63 % der Unternehmen geben an, dass sie ein fortgeschrittenes Stadium der KI-Reife erreicht haben, wobei die Anwendungen von Anwendungsfällen in der Produktion bis hin zur unternehmensweiten Implementierung reichen. Das verarbeitende Gewerbe scheint jedoch leicht hinter anderen Branchen zurückzubleiben.
KI wird allgemein als Instrument zur Prozessoptimierung, Kostensenkung, Qualitätsverbesserung und Unterstützung einer besseren Entscheidungsfindung angesehen. Dies gilt insbesondere für das Verarbeitende Gewerbe, wo 80 % der Unternehmen deutliche Effizienzsteigerungen erwarten. Diese Erwartungen spiegeln sich auch in ganz Europa wider, wie eine EUROSTAT-Studie zeigt, die hervorhebt, dass Unternehmen in ganz Europa ähnliche Ansichten über das Potenzial von KI zur Steigerung von Leistung und Wettbewerbsfähigkeit haben.
Abbildung 2 (in %): Bewertung des potenziellen Nutzens durch den Einsatz von KI-Technologie
Datenquelle: Umfrage "Perspectives on AI and Generative AI in industry" von Luxinnovation und FEDIL, 2025.
... während Umwelt- und Arbeitsbelange marginal bleiben
Die Einführung von KI nimmt zwar zu, aber nur wenige Unternehmen sehen darin eine Lösung für strukturelle Probleme wie Arbeitskräftemangel oder ökologische Nachhaltigkeit. Nur eine Minderheit der Befragten erwartet, dass KI Rekrutierungsschwierigkeiten lindern oder eine schrumpfende Belegschaft ausgleichen wird – trotz ihres klaren Potenzials zur Automatisierung von Aufgaben und zur Verbesserung der betrieblichen Effizienz. Noch weniger Unternehmen sehen KI als Mittel, um Nachhaltigkeitsziele wie die Reduzierung von Emissionen oder die Optimierung des Energieverbrauchs voranzutreiben.
Diese vorsichtige Prognose könnte auf ein mangelndes Bewusstsein für das breitere Potenzial der KI oder auf die Herausforderungen bei der Ermittlung praktischer Anwendungen in diesen Bereichen zurückzuführen sein. Er unterstreicht auch die Notwendigkeit einer stärkeren Abstimmung zwischen KI-Strategien und politischen Zielen, insbesondere im Zusammenhang mit dem grünen Wandel und der industriellen Resilienz auf nationaler und EU-Ebene.
Strukturelle Lücken: Datenbereitschaft bleibt Hürde...
Viele Unternehmen sehen sich nach wie vor mit strukturellen Hindernissen bei der Einführung von KI konfrontiert. Von den Unternehmen mit geringerem KI-Reifegrad verfügen nur 24 % über voll funktionsfähige Datenerfassungssysteme, während 62 % nicht einmal über grundlegende Datenbereitschaft verfügen. Ein Mangel an internem Know-how und die Schwierigkeit, Anwendungsfälle mit hoher Wirkung zu identifizieren, verlangsamen den Fortschritt weiter, insbesondere in der Fertigung, im Bauwesen und im Transportwesen, wo das Sammeln von Daten eine physische Herausforderung darstellen kann.
Dieser Mangel an Datenreife wird von der französischen Investmentbank des öffentlichen Sektors, BPI France, in ihrem Weißbuch 2025 bestätigt, in dem festgestellt wird, dass die meisten ihrer KMU-Kunden eine begrenzte Datenreife haben und noch nie KI-Projekte gestartet hatten, bevor sie sich an den Förderprogrammen von BPI beteiligten.
Abbildung 3 (in %): Bewertung der Datenverfügbarkeit und Bereitschaft zur Einführung von KI
Datenquelle: Umfrage "Perspectives on AI and Generative AI in industry" von Luxinnovation und FEDIL, 2025.
... und Talentengpässe
KI verändert die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, und treibt die Nachfrage nach neuen technischen und analytischen Fähigkeiten in Bereichen wie Datenanalyse und maschinelles Lernen voran. Für viele Unternehmen, insbesondere kleinere, bleibt der Aufbau dieser Fähigkeiten im eigenen Haus jedoch eine große Herausforderung. Viele wenden sich daher an externe Partner, hybride Modelle oder spezialisierte Berater, um die Lücke zu schließen.
Eine McKinsey-Umfrage deutet auch darauf hin, dass die "Umschulung" bestehender Mitarbeiter mit zunehmender KI-Einführung immer wichtiger werden könnte.
Positiv zu vermerken ist, dass weniger als 20 % der Befragten die mangelnde Unterstützung durch die Geschäftsleitung als Hindernis nannten. Dies deutet auf eine starke strategische Ausrichtung und ein starkes Führungsengagement im gesamten luxemburgischen Industriesektor hin – ein Zeichen dafür, dass KI jetzt fest auf der Tagesordnung der Vorstandsetagen steht und nicht mehr als IT-Nischeninitiative angesehen wird.
Abbildung 4 (in %): Die größten Herausforderungen, die bei der Einführung von KI zu bewältigen sind
Datenquelle: Umfrage "Perspectives on AI and Generative AI in industry" von Luxinnovation und FEDIL, 2025.
Governance: Fortschritte erzielt, Lücken bleiben
Über 56 % der Unternehmen haben inzwischen formelle Daten- und KI-Governance-Richtlinien eingeführt – ein klares Zeichen dafür, dass Themen wie Datenintegrität, Compliance und Risikomanagement an Bedeutung gewinnen. Bei fast 45 % fehlt es jedoch immer noch an strukturierten Governance-Frameworks, was auf eine kritische Lücke bei der verantwortungsvollen Einführung von KI hinweist.
Die jüngste Studie "Governance of AI: A Critical Imperative for Today's Boards" von Deloitte, die Unternehmen in 57 Ländern abdeckt, zeigt ähnliche Bedenken. Fast 45 % der befragten Vorstandsvertreter geben an, dass KI noch nicht auf ihrer Tagesordnung steht, und nur 14 % der Vorstände diskutieren KI in jeder Sitzung.
Ein weiterer Bereich, der Anlass zur Sorge gibt, ist die Datenhoheit. Nur eine Minderheit der Unternehmen hat sich entschieden, Daten lokal zu hosten. Dies wirft Fragen zur Sicherheit auf, insbesondere im Bereich des Umgangs mit privaten oder sensiblen Daten. In der Zwischenzeit geben viele Mitarbeiter zu, öffentliche GenAI-Tools für arbeitsbezogene Aufgaben zu verwenden, selbst in Unternehmen, die über Governance-Richtlinien verfügen.
Abbildung 5 (in %): Daten- und KI-Governance-Politik
Datenquelle: Umfrage "Perspectives on AI and Generative AI in industry" von Luxinnovation und FEDIL, 2025.
Auch wenn das Bewusstsein für staatliche Unterstützungsmechanismen nach wie vor gering ist, bieten diese Initiativen wertvolle Möglichkeiten zum Aufbau von KI-Fähigkeiten.
Das L-DIH und die AI Factory unterstützen Unternehmen bei der digitalen Transformation. Darüber hinaus organisiert die FEDIL ihre AI Excellence Awards. Ziel dieser Initiative ist es, Kreativität, Innovation und Forschung in Unternehmen zu fördern und innovative Unternehmen zu würdigen, deren Beiträge der gesamten luxemburgischen Wirtschaft zugute kommen.
Ein stärkeres Engagement könnte dazu beitragen, Qualifikationslücken zu schließen und die Einführung von KI in allen Sektoren integrativer zu gestalten.