KI und generative KI in der luxemburgischen Industrie: Von Pilotprojekten zur Skalierung
Eine neue Ausgabe der gemeinsamen Studie von Luxinnovation und FEDIL bestätigt, dass die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Jahr 2026 unter luxemburgischen Unternehmen weiter zunimmt. Im Vergleich zu 2025 sind deutliche Fortschritte erkennbar, insbesondere bei der Einführung generativer KI sowie deren breiteren Integration in Geschäftsprozesse. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen – vor allem im Hinblick auf die Reife der Datenbasis, den Zugang zu qualifizierten Fachkräften und den Aufbau tragfähiger Governance‑Strukturen.
Zwischen strategischer Vision und praktischen Herausforderungen
Anfang 2026 führten Luxinnovation und FEDIL in Zusammenarbeit mit der Luxembourg AI Factory eine branchenübergreifende Umfrage durch, unter anderem in den Bereichen Industrie, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Bau sowie Transport und Logistik, um den Einsatz von künstlicher Intelligenz zu untersuchen. Aufbauend auf den Ergebnissen von 2025 erlaubt diese neue Erhebungsrunde einen fundierten Vergleich der wichtigsten Entwicklungen und Trends im Jahresverlauf in der luxemburgischen Industrielandschaft.
Die Umfrage 2026 verzeichnete einen Anstieg der Teilnahme um 20%, bei gleichzeitig größerer Branchenvielfalt. Auch das Profil der Teilnehmenden hat sich deutlich verändert: Die Beteiligung kleinerer Unternehmen (1–50 Mitarbeitende) nahm spürbar zu, während der Anteil größerer Unternehmen zurückging. Aus Branchensicht verringerte sich der Anteil der Industrieunternehmen um 10 Prozentpunkte, während die IKT‑Branche sowie andere Dienstleistungsanbieter stärker vertreten waren.
Diese Studie liefert wichtige Einblicke in die sich wandelnde Landschaft der KI- und generativen KI-Nutzung bei wichtigen Interessengruppen. Sie beleuchtet den Stand der Einführung, neue Anwendungsfälle sowie die bestehenden Herausforderungen und Chancen. Zugleich zeigt sie, wie sich der Bedarf an Schulungen, Kompetenzaufbau und Finanzierung verändert, während Unternehmen den Schritt von Experimentierphasen hin zu einer breiteren, ausgereiften Nutzung vollziehen. Durch die kontinuierliche Beobachtung dieser Entwicklungen entsteht ein klareres Bild davon, wie KI die Industrie verändert. Gleichzeitig leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zu evidenzbasierten politischen Empfehlungen und unterstützt die Entwicklung gezielter Maßnahmen zur Beschleunigung der KI‑Nutzung in Luxemburg.
Die Ergebnisse aus dem Jahr 2026 bestätigen die starke Dynamik, die bereits 2025 sichtbar war: Der Einsatz von KI weitet sich weiter über Branchen und Unternehmensbereiche aus. Zugleich wird deutlich, dass zahlreiche der bekannten Herausforderungen fortbestehen, auch wenn Unternehmen mehr Erfahrung im Umgang mit KI gewinnen.
Hinweis: Vergleiche zwischen den Umfragen von 2025 und 2026 sind mit Vorsicht zu interpretieren, da die Anzahl und die Profile der Teilnehmenden im Jahr 2026 vielfältiger sind.
Überblick über die KI-Nutzung in Luxemburg
KI setzt sich vor allem in den Bereichen durch, in denen schnelle Effizienzgewinne möglich sind, Pilotprojekte einfach umgesetzt werden können und die Risiken überschaubar bleiben.
In Luxemburg liegt der Schwerpunkt weiterhin auf IT‑ und Digitalfunktionen, doch der Einsatz weitet sich zunehmend auf unterstützende Unternehmensbereiche wie Marketing, Kommunikation, HR, Finanzen und kundennahe Aktivitäten aus – maßgeblich getrieben durch generative KI. In operativen Bereichen wie Produktion und Logistik dominieren weiterhin spezifische, klar abgegrenzte Anwendungsfälle. Im Vergleich zu 2025 zeigen sich weniger strukturelle Verschiebungen als vielmehr eine Ausweitung der Nutzung, was auf eine schrittweise, wertgetriebene Verbreitung hinweist.
Abbildung 1 (in %): Verbreitung von KI in Unternehmensfunktionen
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Produktivitäts‑ und Effizienzsteigerung als zentraler Treiber für KI
KI wird heute hauptsächlich als Werkzeug zur Steigerung von Produktivität und Effizienz wahrgenommen: 88 % der Unternehmen nennen dies als wichtigsten erwarteten Nutzen. Prozessoptimierung (65 %) und Kosteneinsparungen (64 %) bleiben ebenfalls zentrale Treiber. Im Vergleich zu 2025 haben sich die Erwartungen stabilisiert, was auf einen reiferen, pragmatischeren und stärker geschäftsorientierten Umgang mit KI hinweist.
Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Ernüchterung in Bezug auf Kosteneffekte: Obwohl KI langfristig Einsparpotenziale verspricht, erschweren hohe Anfangsinvestitionen und Unsicherheiten beim Return on Investment eine breitere Umsetzung. Dies gilt insbesondere für den Übergang von Pilotprojekten zur vollständigen Implementierung.
Abbildung 2 (in %): Bewertung der potenziellen Vorteile durch die Einführung von KI-Technologie
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Fachwissen, Kosten, Infrastruktur und Daten als zentrale Herausforderungen
Die Hürden bei der Einführung von KI im Jahr 2026 weisen eine hohe Kontinuität gegenüber 2025 auf: Die Herausforderungen liegen heute weniger im mangelnden Bewusstsein als vielmehr in der strukturellen Umsetzungsfähigkeit. Ein Mangel an Fachwissen bleibt das größte Hindernis und schränkt die Fähigkeit der Unternehmen ein, von Pilotprojekten zu einer skalierbaren Nutzung überzugehen. Dies steht im Einklang mit der Grant‑Thornton‑Studie aus dem Jahr 2026, die zeigt, dass die Bereitschaft der Belegschaften weiterhin eine zentrale Einschränkung für die Skalierung von KI darstellt.
Gleichzeitig sind Kosten stärker in den Fokus gerückt: ein Zeichen dafür, dass Unternehmen den tatsächlichen Investitionsbedarf für die Industrialisierung von KI besser einschätzen können. Neben den Kosten bleiben auch die Datenverfügbarkeit, der digitale Reifegrad und Unsicherheiten beim Return on Investment zentrale Bremsfaktoren, insbesondere wenn es darum geht, wirkungsstarke Anwendungsfälle zu identifizieren.
Insgesamt hat sich die Herausforderung vom Erkennen der Potenziale von KI hin zur Schaffung der richtigen Voraussetzungen, insbesondere in den Bereichen Kompetenzen, Daten und Governance, für eine skalierbare Umsetzung verlagert.
Die Antwortoption „IT‑Infrastruktur“ wurde in der Umfrage 2025 nicht abgefragt.
Abbildung 3 (in %): Wichtigste Herausforderungen bei der KI-Einführung
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Von datenreich zu datengetrieben
Während die meisten Unternehmen in Luxemburg deutliche Fortschritte bei der Erfassung und Speicherung von Daten erzielt haben, erreichen deutlich weniger den erforderlichen Reifegrad, um diese vollständig für den Einsatz von KI zu nutzen. Insbesondere bei der Strukturierung, Integration und Analyse von Daten für Entscheidungsprozesse besteht weiterhin eine strukturelle Lücke zwischen einem hohen Datenbestand und einer tatsächlich datengetriebenen Arbeitsweise.
Obwohl in den Bereichen operative Daten, Geschäftsdaten und Kundendaten mittlerweile eine solide digitale Basis vorhanden ist, sind fortgeschrittene Praktiken wie Daten‑Governance, Qualitätsmanagement und Datenanalyse deutlich weniger entwickelt. Dies schränkt die Fähigkeit von Organisationen ein, Daten in verwertbare Erkenntnisse und skalierbare KI‑Anwendungsfälle zu überführen.
Abbildung 4 (in %): Bewertung der Datenverfügbarkeit und Bereitschaft für KI-Einführung
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Governance wird zum entscheidenden Faktor
KI‑Governance entwickelt sich zunehmend zu einer klaren Priorität: 48% der Unternehmen geben an, bereits über formalisierte Richtlinien zu verfügen. Gleichzeitig fehlt einem ähnlich großen Anteil noch ein strukturierter Rahmen, was auf eine bestehende Lücke zwischen KI‑Einführung und institutioneller Verankerung hinweist. Dieses Bild entspricht auch internationalen Beobachtungen, wie sie beispielsweise von McKinsey beschrieben werden, die weiterhin deutliche Unterschiede zwischen dem Einsatz von KI und der Reife von Governance‑Strukturen feststellen.
Besonders generative KI wirkt dabei als Beschleuniger und Belastungstest zugleich. Die schnelle Verbreitung einfach zugänglicher GenAI‑Tools macht deutlich, wie wichtig es ist, klare Regeln und Sensibilisierung innerhalb von Organisationen zu schaffen. Ohne entsprechende Steuerung entstehen erhöhte Risiken in Bezug auf Datenschutz, Vertraulichkeit, geistiges Eigentum, regulatorische Anforderungen und IT‑Sicherheit.
Abbildung 5 (in %): KI-Governance-Politik
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Mehr Souveränität und Sicherheit bei der Einführung von KI
Immer mehr Unternehmen planen, generative KI‑Lösungen lokal zu entwickeln oder zu hosten, was einen Wandel hin zu kontrollierteren Implementierungsmodellen bestätigt. Diese Entwicklung wird in erster Linie von Datensouveränität und Sicherheit getrieben, die eindeutig als die dominierenden Motivationen hervortreten und von einer großen Mehrheit der Befragten genannt werden.
Auch Compliance‑Anforderungen gewinnen an Bedeutung und spiegeln ein zunehmend strengeres regulatorisches Umfeld wider, während Kosteneffizienz eine untergeordnete, aber weiterhin relevante Rolle spielt. Im Vergleich zu 2025 zeigen sich diese Beweggründe stabiler, was auf einen Reifungsprozess hinweist: Unternehmen verfolgen zunehmend strategische Ansätze, bei denen Kontrolle, Vertrauen und regulatorische Anforderungen zentrale Kriterien für den Einsatz von KI sind.
Abbildung 6 (in %): Geplante lokale Nutzung generativer KI-Lösungen
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
AI Act: wachsendes Bewusstsein, aber anhaltende Komplexität in der Umsetzung
Das Bewusstsein für den EU AI Act hat im Vergleich zu 2025 deutlich zugenommen. Die Mehrheit der Unternehmen ist inzwischen mit der Regulierung vertraut ,ein Zeichen für die steigende Bedeutung von Compliance im Kontext von KI.
Dennoch besteht bei vielen Organisationen weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der praktischen Umsetzung. Für zahlreiche Unternehmen erweist sich der AI Act als komplex und schwer in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Besonders kleinere Unternehmen stehen vor der Herausforderung, regulatorisches Wissen in operative Prozesse zu überführen.
Mit der zunehmenden Verbreitung von KI verschiebt sich der Fokus damit klar: von der reinen Sensibilisierung hin zur konkreten Umsetzung. Entscheidend wird sein, Governance‑Strukturen, Risikomanagement und Compliance systematisch mit dem Ausbau von KI‑Anwendungen zu verknüpfen.
Abbildung 7 (in %): Kenntnisstand des AI-Act
Datenquelle: Studie „AI and GenAI in Luxembourg Industry: From pilots to scaled deployment“, Luxinnovation und FEDIL, 2026.
Die Luxembourg AI Factory begleitet Unternehmen in jeder Phase ihrer KI‑Transformation, unabhängig von Größe oder Reifegrad. Als zentrale Anlaufstelle bietet sie maßgeschneiderte Begleitung mit Zugang zu Assessments, Schulungen, Daten, souveräner Infrastruktur sowie zu Netzwerken im luxemburgischen und europäischen KI‑Ökosystem. Die AI Factory bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen an.
Darüber hinaus organisieren FEDIL und Luxinnovation die Luxembourg AI Excellence Awards. Ziel dieser Initiative ist es, Kreativität, Innovation und Forschung in Unternehmen zu fördern und innovative Unternehmen zu ehren, deren Beiträge der gesamten luxemburgischen Wirtschaft zugutekommen.
Eine intensivere Nutzung dieser Angebote kann helfen, Kompetenzlücken zu schließen und die Einführung von KI über alle Branchen hinweg breiter und zugänglicher zu machen.